Wir gingen heute in Bern gemeinsam auf die Strasse, um solidarische Freiräume zu verteidigen. Auslöser war die drohende Räumung des Café-Toujours, einem seit Jahren besetzten Haus am Europaplatz. Die Eigentümerin Marti AG will das Haus mit der Unterstützung der Stadtverwaltung abreissen lassen, obwohl der Bau des angedachten Hochhauses noch in weiter Ferne liegt. Wir sagen: Kein Abriss auf Vorrat!
Doch natürlich geht es noch um viel mehr. Es geht um Solidarität und Widerstand in einer Zeit, in der faschistisch-nationalistisches Gedankengut zur Normalität wird. Dieser Tenenz wollen wir entschlossen entgegentreten. Darum zeigen wir, dass selbstverwaltete Strukturen das Fundament für eine lebenswerte Zukunft für alle sind. Seien es Orte wie die Anstadt, Wagenplätze wie das 4erFeld, autonome Schulen wie das DenkMal oder besetzte Häuser wie das Tripity oder das CaféToujours: In Bern gibt es starke Strukturen und gelebte Alternativen. All diese Räume werden nur temporär toleriert und sollen irgendwann Profit und stumpfer Eintönigkeit Platz machen. Die Zeit verschlingt alternative Orte immer wieder. Aber wir sagen: «Schluss mit den Fristen!» Ist ein Ort bedroht, sind alle bedroht. Der Kampf ist ein Gemeinsamer und geht weiter!
Wir kämpfen für ein wildes und widerständiges Bern. Für eine Stadt die der Hetze und dem Hass in Europa wahrhaftige Solidarität entgegensetzt. Einem Ort, wo Menschen ihre Würde im Herzen tragen und den Herausforderungen mit einem mutigen Lächeln begegnen. Wir möchten, dass die Leute auf der Strasse miteinander sprechen, darüber, wie sie ihr Zuhause zu einem Ort der Resilienz und zu einem Keim der Menschlichkeit von morgen machen. Besorgt, aber nicht ohne Hoffnung schweift unser Blick in die Ferne: Die Idee eines solchen Berns ist in Gefahr. Nicht durch geflüchtete Menschen aus wärmeren Regionen dieser Erde, sie könnten hier schnell einen Platz finden. Individualismus und Ausbeutung kombinieren sich mit geistlosem Autoritarismus und neuerdings sogar mit digitalem Faschismus. Wir erkennen, dass die Machtgier einiger weniger das gute Leben für alle verunmöglicht. Der Kapitalismus zeigt offen sein wahres Gesicht. Darum müssen wir in Bern gemeinschaftlich organisierte Freiräume wie Wagenplätze, Wohnprojekte, Allmenden und Treffpunkte als wichtigen Teil der Lebensrealität etablieren, wenn wir zukünftig eine Perspektive haben wollen. Jedes Haus den Menschen, die darin leben. Jeder Bauwagen in einem Garten ein Zuhause mehr. Jede Miete die nicht bezahlt wird, bedeutet mehr Zeit für wichtige unbezahlte Arbeit. Sozialer Zusammenhalt im Kleinen, im Haus, in der Strasse, im Quartier – entschlossene Haltung im Grossen, als Stadt, als farbenfrohe Blüte des Widerstands. Wir wünschen uns, dass die Menschen von Bern ihre Probleme in einer entmenschlichten Marktlogik begreiffen und die Existenz von solidarisch-besetzten Räumen anerkennen. Eine lebensfrohe Zukunft braucht Platz!
