Zur Zukunft der Anstadt

An alle Solidarischen, alle Interessierten, an die Öffentlichkeit und an die Politik.

Sommer 2026: Es ist heiss und trocken – auch in Bern. Im Schatten der hohen Bäume, am südlichsten Zipfel des Gaswerkareals, besteht die Anstadt bereits im neunten Sommer. Rund um die Überbauungspläne der Stadt ist es seit der Abstimmung im November letzten Jahres wieder ruhig geworden. Im Hintergrund läuft ein Eingabe-Wettbewerb für diejenigen konkurrierenden Genossenschaften, welche sich für ein Stückchen Land vom Anstadt-Kuchen bewerben. Die gut ein Hektar grosse Fläche soll dabei gedrittelt und im Baurecht verkauft werden. Die Anstadt soll ganz selbstverständlich verdrängt werden, was sowohl in der Politik wie auch bei den Genossenschaften nur die Wenigsten zu kümmern scheint. Das soll sich jetzt ändern:

Die Anstadt bleibt!

So lautet die Zukunftsdevise der Kollektive, die auf dem Flecken Erde der Anstadt ihre Existenzgrundlage aufgebaut haben. Wir finden, ein Ort, an dem so viele Menschen, Projekte und Veranstaltungen zusammenkommen und der gleichzeitig der Natur wertvollen Lebensraum bietet, muss erhalten und verteidigt werden. Die Anstadt verstand sich noch nie als Zwischennutzung. Sie ist durch eine Land-Besetzung entstanden. Auch wenn die Behörden später einen Zwischennutzungsvertrag verlangt haben, heisst das nicht, dass die Anstadt nur einen temporären Anspruch auf Freiraum stellt.

Die Hitze in diesem Sommer hat es gezeigt: Die verbleibenden Grünflächen im Herzen der Stadt abzuholzen und mit Beton zu versiegeln ist akuter Unsinn! Baut auf dem Teil des Gaswerkareals, wo seit Jahren nichts als Staub und Trockenheit besteht, aber fasst die Bäume und dasunkommerzielle Freiraumprojekt nicht an! Selbst aus baulicher Sicht ist das Areal der Anstadt eine absolut ungeeignete Fläche, um grosse Blocks hinzubauen: Das Grundwasser drückt bei Starkregen bis an die Oberfläche. Zudem ist der Boden laut neusten Untersuchungen der Firma Geotest anscheinend erheblich belastet, was das Bauen zusätzlich verteuern würde und bei notwendigen Sanierungsarbeiten womöglich sogar das Grundwasser verschmutzen könnte. Die Ergebnisse der Bodenproben sind darum Gegenstand öffentlichen Interessens, und müssen baldmöglichst veröffentlicht werden!

Natur und Mensch findet mit der Anstadt eine rare und dringend-notwendige lebendig-grüne Insel. Viele Menschen, einige davon strukturell benachteiligt und unterdrückt, haben sich hier ihr Zuhause aufgebaut. Wir haben viel Zeit und Energie investiert, um ein basisdemokratisches Zusammenleben zu ermöglichen und sich damit dem profitorientierten Immobilienmarkt zu widersetzen. Wann immer Orte, an denen eine andere Gesellschaftsform erprobt wird, nach Jahren einer friedlichen Existenz, zerstört werden, entsteht eine Kluft, die Verbundenheit auftrennt und Frust generiert.

Wenn die Anstadt sterben sollte, dann werden Menschen verdrängt, dann wird gegenseitige Unterstützung erschwert und die Möglichkeit, Utopie zu Realität werden zu lassen, erstickt.

Baut, aber nicht hier!

Es ist frustrierend, dass keine Fragen über die Zukunft der Anstadt gestellt werden: Die Stadtregierung ist noch nie auf die Anstadt zugekommen. Die Planungsbehörde löscht die Anstadt sogar kurzerhand aus jedem Portfolio und Luftbild, als würde sie nicht existieren. Gemeinsam verkaufen sie öffentlichen Grund im Baurecht, um kurzfristig Natur zu zerstören und längerfristig einen Tropfen Wohnen auf den heissen Stein zu vergiessen. Ein Leben in der Stadt kann es längerfristig nur für alle geben, wenn das Privateigentum hinterfragt wird.

Wir fordern:

  • Eine sofortige Unterbrechung der Baufelder-Ausschreibung für den Sektor 1.5 (Anstadt), bis der Bericht zur Bodenbelastung veröffentlicht ist.
  • Wir wünschen uns die solidarische Nicht-Bewerbung von Genossenschaften auf Baufelder in der Anstadt.
  • Ein Eingehen der Stadt auf die Anliegen der Anstadt und der Natur.
  • Den Miteinbezug der Anstadt in die Überbauungspläne des Gaswerkareals und damit eine zukunftsfähige Lösung für alle Beteiligten.

Wir rufen alle betroffenen Menschen dazu auf, sich an der Diskussion zubeteiligen, um die Stadt Bern von unten zu gestalten.

Es grüsst,

die Anstadt im Namen der Kollektive

Anstadt-Wohnkollektiv, Vakuum, KRK-Halle